[25.09.26] Landwirtschaft, Biodiversität und ländliche Lebensgrundlagen: Eine interdisziplinäre Untersuchung in Wayanad

Hintergrund zum Untersuchungsgebiet

Wayanad liegt in der Bergregion im Norden des indischen Bundesstaates Kerala und ist Teil des Biodiversitäts-Hotspots der Westghats, einer Region von herausragender ökologischer Bedeutung und außergewöhnlich hoher biologischer Vielfalt.

Auf einer Fläche von rund 2.130 km² erstreckt sich eine vielfältige Kulturlandschaft aus Wäldern, landwirtschaftlichen Nutzflächen und Siedlungen. Fast die Hälfte der Region wird landwirtschaftlich genutzt, wobei insbesondere kleinbäuerliche Betriebe vielfältige Agroforstsysteme bewirtschaften. Durch die enge räumliche Verzahnung von landwirtschaftlich genutzten Flächen und natürlichen Ökosystemen bietet Wayanad besonders geeignete Bedingungen, um die Wechselwirkungen zwischen landwirtschaftlicher Nutzung, Biodiversität, Ökosystemfunktionen und ländlichen Lebensgrundlagen zu untersuchen.

Forschungsziele

Im Rahmen des BRIGHT-Futures-Projekts stehen drei miteinander verknüpfte Forschungsfragen im Mittelpunkt:

  • Biodiversität und Ökosystemfunktionen: Wie beeinflussen unterschiedliche landwirtschaftliche Bewirtschaftungspraktiken die biologische Vielfalt und die damit verbundenen Ökosystemfunktionen?

  • Agrarökologie und soziale Netzwerke: Welche Zusammenhänge bestehen zwischen agrarökologischen Praktiken, den sozialen Netzwerken der Landwirtinnen und Landwirte sowie der Biodiversität und den Ökosystemfunktionen?

  • Stärkung der Rolle von Frauen: Welchen Einfluss hat die Selbstbestimmung und Teilhabe von Frauen auf Entscheidungen zur Landnutzung, die Biodiversität landwirtschaftlicher Flächen und die Ökosystemfunktionen?

Verknüpfung ökologischer und sozioökonomischer Forschung

Um diese Fragen zu untersuchen, verfolgt das BRIGHT-Futures-Team einen interdisziplinären Forschungsansatz, der ökologische Felderhebungen mit sozioökonomischen Befragungen verbindet.
Auf landwirtschaftlichen Betrieben, die sich hinsichtlich ihrer agrarökologischen Bewirtschaftungspraktiken und der sozialen Vernetzung der Landwirtinnen und Landwirte unterscheiden, erfassen Hannah Melcher, David Vallon, Niclas Magnussen, Nora Bockstahler und Cassandra Vogel aus dem Fachgebiet Ökologie tropischer Agrarsysteme die Vielfalt von Pflanzen, Vögeln und Arthropoden (Gliederfüßern); Navya Itty aus dem Fachgebiet Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen führt sozioökonomische Befragungen durch, bei denen Daten zu Ernteerträgen, landwirtschaftlichen Einkommen, agrarökologischen Praktiken und weiteren sozialen Aspekten der Landwirtschaft erhoben werden.

Interdisziplinäre Feldforschung in Wayanad 2026

In enger Zusammenarbeit mit der Kerala Agricultural University (KAU) und der M. S. Swaminathan Research Foundation (MSSRF) führt das BRIGHT-Futures-Team seit Ende September 2026 eine intensive, dreimonatige Forschungsexpedition in Wayanad durch.

Durch die Verknüpfung ökologischer und sozioökonomischer Daten möchte das Projekt zu einem besseren Verständnis beitragen, wie landwirtschaftliche Bewirtschaftungspraktiken und soziale Faktoren zusammenwirken und dabei Biodiversität, Ökosystemfunktionen und ländliche Lebensgrundlagen beeinflussen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen eine wissenschaftliche Grundlage für den Schutz der biologischen Vielfalt, eine nachhaltige landwirtschaftliche Bewirtschaftung und eine sozial gerechte Entwicklung ländlicher Räume schaffen.

Weitere Einblicke, Erfahrungen und aktuelle Ergebnisse aus der laufenden Feldforschung in Wayanad folgen.